Glasgow und Umgebung


Um das Image einer tristen Industriestadt abzustreifen, hatte sich Glasgow in den achtziger Jahren auf sein reiches kulturelles Erbe besonnen. Die vom Ruß geschwärzte Altstadt, eines der geschlossensten viktorianischen Ensembles, erstrahlt in frischen Farben und heruntergekommene Innenstadtviertel jüngeren Datums sind saniert oder abgerissen. Neue Veranstaltungszentren entstanden, das kulturelle Angebot wurde und wird ständig erweitert und bietet lebendige Unterhaltung. Als Erfolg dieser langen und kontinuierlichen Arbeit der Stadtväter wurde Glasgow 1990 zur Kulturhauptstadt Europas erklärt.
Keine andere Großstadt Europas hat im Verlauf ihrer Geschichte so extreme Höhen und Tiefen erlebt. Glasgows Unternehmergeist rückte Schottland im 18. Jahrhundert aus dem Randgebiet Europas ins Zentrum der Weltwirtschaft. Deutlicher als in jeder anderen britischen Stadt kann man hier den Verlauf der industriellen Revolution verfolgen. Im 17. Jahrhundert verdienten Glasgows Kaufleute ein Vermögen durch den Überseehandel, anfangs vor allem mit Tabak, später mit Textilien, Chemie, Kohlebergbau, Eisenwaren, Maschinen- und Schiffsbau. Im 19. Jahrhundert war Glasgow die Werkhalle Großbritanniens. Das viktorianische Stadtzentrum zeugt vom Wohlstand jener Tage, doch die Arbeiter wohnten zum Teil in den schlimmsten Slums. Ihr Abriß im 19. Jahrhundert und der Bau von Mietskasernen verlagerte die Probleme nur. So traf die Wirtschaftskrise der sechziger und siebziger Jahre Glasgow besonders hart und die Stadt erholte sich nur langsam. Der heutigen Rezession wirkt Glasgow entgegen, indem es sich als Kongreß- und Kulturstadt präsentiert, und zwar mit Erfolg. Man findet hier elegante Geschäfte, noble Restaurants, gepflegte Parks, Museen und viele Theater. In Glasgow sind unter anderem auch die Scottish Opera, das Scottish Ballet und das Royal Scottish National Orchestra zu Hause.

Viele Museen und Kunstsammlungen locken die Besucher an: die Art Gallery und Museum im Kelvingrove Park, die Burrell Collection mit Sammlungen von Kunstgegenständen verschiedenster Art, die Hunterian Museum und Art Gallery mit der Kunstsammlung der Universität Glasgow, der People's Palace mit Dokumenten zur Geschichte der Stadt und das Museum of Transport.
Glasgow kann auch einige eindrucksvolle Gebäude aufweisen. Die Glasgow Cathedral ist eine von nur wenigen fast vollständig erhaltenenen Kathedralen Großbritanniens, deren Bau im 12. Jahrhundert begonnen wurde. Das Gebäude der Glasgow School of Art ist die reifste architektonische Leistung des damals 28-jährigen Charles Rennie Macintosh. Die Stirling Bibliothek mit einem klassizistischen Portikus steht an einem der schönsten Plätze der Stadt, dem Royal Exchange Square. Provand's Lordship von 1471 ist das älteste erhaltene Haus Glasgows in der Nähe der Kathedrale und der Bischofsburg. Im Tenement House kann eine typische Stadtwohnung der jüngsten Vergangenheit besichtigt werden.

In der Umgebung von Glasgow stehen auch einige eindrucksvolle Schlösser und Burgen: die Ruinen von Bothwell Castle über dem River Clyde, das im französischen Stil errichtete Schlößchen Chatelherault und Craignethan Castle nordwestlich von Lanark.
In der kleinen, gut erhaltenen Fabrikstadt New Lanark kann eine alte Spinnerei besichtigt werden, in der die Geschichte der Baumwollspinnerei und Owens Ideen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen erzählt wird. Im Paisley Museum südwestlich von Glasgow wird schottische Kunst des 19. Jahrhunderts gezeigt, darunter mehr als 700 Paisley-Tücher und -Decken.

Der Clyde Muirshiel Country Park mit seiner Moor- und Waldlandschaft ist Naherholungsgebiet von Glasgow und bei Wanderern und Spaziergängern recht beliebt.


Copyright © K. Dauth 2000