Genau hinter der Grenze zu England beginnt das "echte" Schottland. Man hört
den Unterschied schon am Dialekt und an dem stark gerollten "r". Aber auch die
Landschaft ist anders, sie reicht von saftigen grünen Wiesen und Weiden
bis hin zu wilden Mooren im Hochland von Galloway und am Horizont sind die
Berge der Highlands als ein blaues Band zu sehen.
Schottlands berühmteste Dichter Robert Burns (1759-1796) und Sir Walter
Scott (1771-1832) haben die südschottische Landschaft, ihre Menschen und
Sprache auf der ganzen Welt bekannt gemacht.
Im Osten liegt die Region Borders, auch bekannt als Scott's Country mit dem
an Lachsen und Forellen reichen River Tweed, traditionsreichen Tweedstoff-Webereien,
Flachland mit Wald und Heide und vielen noblen Herrensitzen und Schlössern.
Der Westen wird Burns Country genannt und besteht aus den Verwaltungsbezirken
Dumfries and Galloway und dem ehemaligen Ayrshire. Diese einsame und rauhe
Landschaft war das Land von William Wallace und Robert the Bruce.
Nur wenige Regionen Europas waren über eine so lange Zeit hinweg Schauplatz
so schrecklicher Kämpfe wie die Borders, das Grenzland zu England.
Nach der Abwehr der römischen Legionen folgten die Auseinandersetzungen mit
eindringenden irischen und germanischen Siedlern, mit den Wikingern und
schließlich die Rivalitäten zwischen den Clans und die Schlachten mit
den englischen Königen. Noch heute zeugen überall die Ruinen der
Wehrtürme aus dem 16. Jahrhundert vom dramatischen Verlauf der Geschichte.
Die Borders sind eine Region mit verträumten Dörfern, geschäftigen
Textilstädten, sattgrünen Weideflächen und ausgedehnten Wäldern
und Hügelketten. Über 160 km lang schlängelt sich der River Tweed
durch die Landschaft.
Inmitten dieser lieblichen Landschaft liegen einige der schönsten und
eindrucksvollsten Klosterruinen von ganz Schottland, die einst das Leben in den
Borders beeinflußten: Dryburgh Abbey bei Newtown St. Boswells,
Jedburgh Abbey, Kelso Abbey und Melrose Abbey, unter deren
Hochaltar das Herz von Robert the Bruce begraben liegen soll. Kelso Abbey hat
unter den vier großen Abteien am ehesten den Charakter einer Festung, sie
war auch die reichste und wichtigste. Die Mönche entwickelten als erste die
Handwerkskunst der Wollverarbeitung und legten den Grundstein zu einer Textilindustrie,
die in dieser Region noch heute floriert.
Eine weitere Besonderheit sind die vielen prachtvollen Schlösser und
Herrenhäuser in dieser Gegend. Sir Walter Scott, der berühmte schottische
Schriftsteller, lebte in Abbotsford in der Nähe von Melrose. Seine
Nachkommen leben noch heute in dem romantischen, mit Türmchen und Erkern
besetzten Herrenhaus am Ufer des Tweed. Floors Castle am Nordwestrand
von Kelso ist einer der repräsentativsten Paläste in den Borders und
Traquair House bei Innerleithen ist das älteste noch bewohnte
Herrenhaus in Schottland. Weitere sehenswerte Herrenhäuser sind Bowhill
House bei Selkirk, Manderston House bei Duns aus der Zeit Edwards VII.
und Mellerstain House, 10 km nordwestlich von Kelso. Die meisten dieser
Grundbesitze haben herrliche Garten- und Parkanlagen.
Wer sich unter den südwestlichen Lowlands Dumfries and Galloway
Flachland vorstellt, wird überrascht sein. Nach der sonnigen Südküste
folgen üppiges Acker- und Weideland, Moorgebiete, dunkle Wälder und
steil aufragende Berge. Die Galloway Hills, die heideüberwucherten
Lowther Hills oder die Sandsteinfelsen der Moffat Hills bieten
zahlreiche Wandermöglichkeiten. Im Galloway Forest Park bei Newton
Stewart vermitteln die Seen, Wälder und felsigen Berghänge dem Wanderer
ein Gefühl von Wildnis, wie man es sonst nur im Norden in den Highlands
findet.
Für Kulturinteressierte gibt es imposante Schlösser zu besichtigen,
zum Beispiel das düstere Threave Castle mit seinem lieblichen Garten,
oder die Ruine von Caerlaverock Castle mit wuchtigen Festungsmauern aus
dem 13. Jahrhundert und einem Wassergraben.
Abgesehen von Dumfries, der größten Stadt der Region, gibt
es nur kleinere Ortschaften. Die Häuser der fotogenen Dörfer und
kleinen Städte sind in den für Galloway typischen Pastelltönen
gehalten. Kircudbright an der Mündung des River Dee zieht schon seit
langem Künstler an.
Die Grafschaft Ayrshire ist das Land des schottischen Nationaldichters
Robert Burns. Er wurde 1759 in Alloway, südlich von Ayr, in einem
kleinen Bauernhaus geboren. Nach wie vor sind viele seiner Lieder und Gedichte
im englischsprachigen Raum geläufig und sein Abschiedslied Auld Lang
Syne ist Menschen in aller Welt vertraut. Im Burns Cottage und Museum
und im Besucherzentrum Land of Burns kann man Leben und Werk des Dichters
kennenlernen.
Ayrshire bietet aber auch sehenswerte Schlösser wie das Dean Castle
in Kilmarnock, eine restaurierte Festung aus dem 14. Jahrhundert. Culzean
Castle, ein Meisterwerk des Architekten Robert Adam mit üppigen
Verzierungen im neugotischen Stil, liegt hoch oben auf den Klippen. Interessant
ist der riesige Landschaftsgarten mit u.a. italienisch angelegten Terrassen und
einem Sommergarten.
Von der Küste Ayrshires ist die Insel Arran am Horizont zu erkennen.
Sie ist bei Wanderern beliebt und bekannt für ihre prähistorischen
Stätten sowie Brodick Castle mit seinem berühmten
Rhododendrongarten.