Im hohen Norden kann man eine Woche lang mit dem Rucksack unterwegs sein, ohne
einer Menschenseele zu begegnen. Das liegt nicht nur an der rauhen Natur, sondern
ist bis heute eine Folge der sogenannten clearances, der systematischen
Vertreibung der kleinen Pächter. Überall sind noch die überwucherten
Häuserruinen aus dieser Zeit zu sehen, aber auch mystische Grabstätten
und Befestigungen aus prähistorischer Zeit. Die Landschaft im Landesinnern
besteht überwiegend aus kahlen Bergen, weiten Moorgebieten und etlichen
Mini-Lochs. Der Ben More Assynt, Suilven oder die Höhen des
Foinaven sind bei Wanderern sehr beliebt.
Die Atlantikküste im äußersten Norden ist urwüchsig wie kaum
eine andere Region in Schottland: wildzerklüftet, mit steilen Klippen und
kleinen Buchten, von langen Fjorden tief eingeschnitten und einsam, erinnert sie
irgendwie an Skandinavien. Die Ostküste dagegen verläuft in Ross and
Cromarty und Sutherland in einem breiten Flachlandstreifen und geht im Norden
in die weite Ebene von Caithness über. Günstigere Lebensbedingungen
und der Aufschwung der Heringsindustrie im 19. Jahrhundert brachten dem Osten
einen größeren Bevölkerungszuwachs als dem Westen.
Einsam, rauh, vom Wind umbraust und reich an Legenden und Traditionen der
bäuerlichen Bevölkerung ist die Westküste Schottlands.
Wolkenverhangene Berge reichen bis an die Ufer der schmalen sealochs heran.
Die reichen prähistorischen Funde wie Steinkreise, Grabhügel und Türme gehen
teilweise bis auf die Jungsteinzeit zurück.
Abenteuerliche Straßen führen an der Westküste entlang, durch
eine ungezähmte Natur mit überragenden Ausblicken auf verstreut liegende
kleine Felseninseln im Meer. Eine dieser Inseln ist Handa mit riesigen
Seevogelkolonien.
In der dramatischen Berglandschaft der Highlands befindet sich auch der
höchste Wasserfall Großbritanniens, Eas Coul Aulin. Weiter
südlich, im Inverpolly Natural Nature Reserve mit seinen Bergen und
Seen, gibt es viele Wandermöglichkeiten.
Ullapool am Loch Broom, die einzige größere Stadt an der
schottischen Nordwestküste, ist ein lebhafter Fischerhafen und auch
Fährhafen für die Western Isles und die Summer Isles.
Weiter in Richtung Süden, vorbei an der tiefen und bewaldeten Corrishalloch
Gorge, kommt man zu den Inverewe Gardens in Poolewe. Bedingt durch das
milde Klima und den Einfluß des Golfstroms ist es Osgood Mackenzie 1862
gelungen, eine Gartenanlage mit exotischen Pflanzen und Bäumen anzulegen.
Heute sind es über 2000 Pflanzenarten, die vor allem Anfang Juni mit ihrer
Farbenpracht und -fülle bezaubern.

Das Dorf Torridon liegt inmitten einer eindrucksvollen Berglandschaft am
gleichnamigen Loch zu Füßen des Ben Liathach. Unweit von Torridon am
Loch Maree befindet sich das vom National Trust verwaltete Beinn Eighe
National Nature Reserve mit Resten alter Kiefernwälder.
8 km östlich vom Kyle of Lochalsh steht auf einer kleinen Insel im Loch
Duich das meistfotografierte Schloß Schottlands Eilean Donan Castle
aus dem 13. Jahrhundert.
Ähnlich dramatisch wie an der Westküste ist die Landschaft auch im
Norden, mit zerklüfteten Landzungen und blendend weißen Stränden,
bevor sie in Caithness in offenes Weideland und endlose, von Seen durchzogene
Moorgebiete übergeht.
Um Cape Wrath an der Nordwestspitze schäumt das Meer und seine 90 m
hohen Klippen hallen wider von den Schreien der Seevögel.
In der Nähe von Durness mit seinem schönen Strand befindet sich
die Smoo Cave, eine große Grotte, die das Meer aus dem Kalkstein
gewaschen hat.
Tongue liegt an der Nordküste und bietet einen schönen Ausblick über
den langgestreckten Kyle of Tongue und die Ruinen von Castle Varrich,
einer Festung der Mackays aus dem 14. Jahrhundert.
Ein Schloß überragt den alten Hafen der ehemaligen Fischerstadt
Thurso, die heute ein beliebtes Urlaubsziel ist. Im Nachbarort Scrabster
fahren die Fähren nach Orkney und Shetland ab.
Etwas weiter östlich kommt man nach Dunnet Head, der eigentlichen
Nordspitze der britischen Inseln. Kurz vor John O'Groats bei Duncansby Head
erheben sich drei imposante Felsnadeln, die Stacks of Duncansby, aus dem
Meer.
Die Stadt Wick war schon früh ein bedeutsamer Hafen und bis Anfang
des 20. Jahrhunderts Zentrum der Heringsindustrie auf den Britischen Inseln.
Sehenswert sind die drei Schlösser Old Wick aus dem 12., Girnigoe
aus dem 15. und Sinclair aus dem 17. Jahrhundert.
16 km südlich von Wick befinden sich prähistorische Funde: der Hill
O'Many Stones, eine geheimnisvolle fächerförmige Anordnung von
Steinen in 22 Reihen und die nahegelegenen Cairns of Camster,
zwei gut restaurierte Kammergräber aus der Jungsteinzeit.

Die Ostküste der Highlands zwischen Nairn und John O'Groats ist ebenfalls einen Besuch wert. Die Landschaft ist hier lieblich und flach mit zum Teil herrlichen Sandstränden. Malerische kleine Städte laden zu einem Besuch ein: zum Beispiel Cromarty auf der Black Isle, der ehemalige Wallfahrtsort Tain, die alte Stadt Dornoch mit ihren farbenprächtigen Gärten und einer Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert oder Helmsdale mit seinen hübschen Häusern. Golspie ist bekannt durch sein Bilderbuchschloß Dunrobin Castle, das auf einer natürlichen Terrasse über dem Meer steht und Sitz der Grafen von Sutherland ist.
Inverness liegt an einer Meeresbucht am Nordende des Great Glen, des
breiten Tales, das mit einer Kette von Seen Schottland von Küste zu Küste,
von Westen nach Norden tief einschneidet. Ihre strategisch bedeutsame Position
hat die "Hauptstadt der Highlands" zu einem der zentralen Orte in der
schottischen Geschichte gemacht. Viele Ereignisse gingen zwar in die Annalen der
Stadt ein, hinterließen jedoch nur sehr wenig Bleibendes im Stadtbild; das
Zentrum stammt zum großen Teil aus dem 19. Jahrhundert.
10 km östlich von Inverness liegt das Schlachtfeld von Culloden, auf
dem am 16. April 1746 eine der blutigsten Schlachten zwischen Schottland und
England ausgetragen wurde. Sie bedeutete das Ende der Bemühungen, Bonnie
Prince Charlie zum schottischen König zu machen. Einige Kilometer weiter
kann Cawdor Castle aus dem 16./17. Jahrhundert besichtigt werden.
Der Ferienort Aviemore 53 km südlich von Inverness ist ein guter
Ausgangspunkt für das Fischadler-Reservat am Loch Garten oder für
Wanderungen in den Cairngorms.
Kingussie liegt auf halbem Weg zwischen Inverness und Pitlochry und bietet
sich an für Ausflüge in das Naturschutzgebiet Insh Marshes,
zu den Ruinen der düsteren Ruthven Barracks oder in das
Highland Folk Museum, das ausführlich über die Wohn-
und Arbeitsbedingungen früherer Zeiten informiert.

Die südlichen Highlands sind eine Gegend voller Kontraste, von hohen Bergen
und tiefen Tälern bis hin zur Inselwelt der Inneren Hebriden. Eine der
schönsten Straßen Schottlands ist die Road to the Isles von
Fort William zum Hafenort Mallaig. Sie führt vorbei am Glenfinnan-Denkmal und
bietet wunderschöne Ausblicke auf die Bergwelt und die kleinen Inseln
Rhum, Eigg, Muck und Canna am Horizont.
Die Stadt Fort William am südlichen Ende des Great Glen liegt am
Fuß des Ben Nevis, des mit 1344 m höchsten Bergs Großbritanniens.
Eine Seilbahn fährt hinauf in das Skigebiet der Nevis Range.
Unweit von Fort William auf der Halbinsel Morven, liegt der Ort Lochaline, von
dem man auf die Insel Mull übersetzen kann. Die Landschaft ist atemberaubend:
schroffe Berge, romantische Burgen und zerklüftete Küstenstriche.