IDIOME


Vorausgesetzte Kenntnisse:

- Die wichtigsten Formen des Verbums "sein" (behauptend und bestätigend)
- Die Unterschiede zwischen Abhängig, Unabhängig und Relativ
- Die Fürwörter (Pronomina)
- Die wichtigsten Verhältniswörter (Präpositionen)
- Einfache Satzformen

Die Idiome im Gälischen

Idiome sind Ausdrücke, die im Gälischen mit Hilfe des Verbums bi (sein) in Zusammen-hang mit den verschiedenen >>präpositionellen Pronomina (Fürwörtern)<< konstruiert werden. Wie in den unmittelbar verwandten keltischen Sprachen (Irisch, Manx) verschmelzen im Gälischen verschieden Verhältniswörter (Präpositionen) mit den Fürwörtern (Pronomina) zu Partikeln mit einer eigenen grammatikalischen Funktion, die wir im Folgenden Verhältnisfürwort nennen wollen. Das Gälische besitzt z.B. keine eigentlichen Verben mit der direkten Bedeutung "haben", "wissen", "lieben", "müssen" usw.: der Ausdruck wird mit Hilfe dieser besonderen Pronomina gebildet: Ich habe wird Es ist bei-mir, Ich weiß wird Ist Wissen bei-mir, Ich liebe dich wird Ist Liebe bei-mir zu-dir und Ich muß wird Ist Not zu-mir usw. Daher ist es möglich, verschiedene Arten von Besitz zum Ausdruck zu bringen (wie die folgenden Beispiele zeigen), d.h. etwas ist gerade "bei" mir oder es ist immer "mit" mir: Durch die zwei Formen des Verbums bi (sein) kan etwas permanent oder nur vorübergehend sein. Und schließlich kann man die emphatische (betonte) Form des Verhältnisfürworts verwenden, um weitere Schattierungen anzugeben.

Der Lernende/die Lernende wird auch sehen, daß es um eine ganz andere Auffassung geht: bei dem Ausdruck Ich habe eine Erkältung (ich bin erkältet) kommt die Krankheit von innen, sie ist ein Besitztum in mir: bei Tha cnatan orm dagegen "geschieht" die Krankheit von außen, sie kommt zu einem, man ist äußeren Umständen unterworfen. In der Tat kann man sämtliche menschliche Bezüge zu naturbedingten Geschehnissen im Gälischen mit solchen Idiomen umschreiben. Wir sagen Das Schiff sank, aber das Gälische Idiom heißt Kam das Meer über das Schiff: Thainig a'mhuir thar an luing.


I Bedeutungsgruppe "Haben"

1) Präposition: aig

Einfache Formen: agam, agad, aige, aice, againn, agaibh, aca *)
Betonte Formen: agamsa, agadsa, aigesan, aicese, againne, agaibhse, acasan
*) Immer in der Reihenfolge: bei mir, bei dir, bei ihm, bei ihr; bei uns, bei euch, bei ihnen

MUSTER:
Bildung mit bi (bestätigende Formen) + Objekt + aig (zu, bei) + Substantiv [im Dativ]
(bestätigende Formen) + Objekt + Verhältnisfürwort mit aig = ag-
Vgl. Lat. Est mihi liber

BEISPIELE:
Tha faclair aig a h-athair Ihr Vater hat ein Wörterbuch [STRUKTUR: Ist Wörterbuch bei ihrem Vater]
Verneint: Chan eil faclair aig a h-athair Ihr Vater hat kein Wörterbuch
Als Frage: A' bheil faclair aig a h-athair? Hat ihr Vater ein Wörterbuch?
Tha leabhrach aig Inbhirnis Inverness hat eine Bibliothek
Tha car agam Ich habe ein Auto
Tha aodach agad Du hast Kleider
Tha compiùtair aige Er hat einen Computer
Tha cù mór aig Calum, ach tha cat beag aig Seònaid Malcolm (Calum) hat einen großen Hund, aber Jeanette hat eine kleine Katze
Tha peann aig Màiri Maria hat eine Feder
Tha ceann mòr aice Sie hat einen großen Kopf
Tha peauntan againn Wir haben Schreibfedern
Tha leabhraichean agaibh Ihr habt Bücher
Tha fichead sgillinn aca Sie haben zwanzig Pennige (pence: wörtl.: Schilling)
Tha car agadsa ach tha each agamsa Du hast ein Auto aber ich habe ein Pferd
A bheil airgead agadsa, a Mhàiri? Hast du Geld, Maria? [STRUKTUR: Daß ist Geld bei-dir-eben, o Maria?]
An e seo an taigh agadsa? Ist dies hier dein Haus?
An e sin an cù aig Calum? Ist es (er) Calums Hund?
Cò aig am bheil? Wem gehört es?
Cò aig an robh? Wem gehörte es?
Aig wird auch im Sinne von "muß, müssen" verwendet:
Tha agam ri dhol do'n sgoil Ich muß in die Schule gehen [STRUKTUR: Ist auf-mich zu gehen in-die Schule]
Tha aig Màiri ri dhol do'n bhùth Maria muß zum Laden gehen
Die Verneinungen werden wie üblich konstruiert:
Cha'n eil bo agam Ich habe keine Kuh
Cha'n eil aodach agad Du hast keine Kleider
Cha'n eil compiùtair aige Er hat einen Computer nicht = Er hat keinen Computer
Cha'n eil ad aice Sie hat keinen Hut
Cha'n eil peauntan againn Wir haben keine Schreibfeder
Cha'n eil leabhraichean agaibh Ihr habt keine Bücher
Cha'n eil fichead sgillinn aca Sie haben zwanzig Pfennig nicht
Nach eil bo agam? Habe ich keine Kuh?
Nach eil aodach agad? Hast du keine Kleider?
Nach eil bàta aige? Hat er kein Boot?
Nach eil trì cait aice? Hat sie nicht drei Katzen?
Nach eil righ againn? Haben wir keinen König?
Nach eil leabhraichean agaibh? Habt ihr keine Bücher?
Nach eil dà fhichead sgillinn aca? Haben sie keine vierzig Pfennige?
Ged nach robh an t-airgiod aige an dé, bithidh e aige am maireach Obwohl er gestern kein Geld hatte, wird er es morgen haben [STRUKTUR: Obwohl daß-nicht war das Geld bei-ihm (den) Vortag, wird-sein es (er) bei-ihm (den) Morgen]
 
Verschiedene Gefühle werden oft in Ausdrücken mit ZWEI verschiedenen Verhältnis-fürwörtern (d.h. mit aig als einem davon) zum Ausdruck gebracht:
Tha fuath agam da Ich haße ihn [STRUKTUR: Ist Haß bei-mir zu-ihm]
Tha truas agam ris Ich bemitleide ihn [STRUKTUR: Ist Mitleid bei-mir mit-ihm]
Tha gaol agam ortsa Ich liebe dich [STRUKTUR: Ist Liebe bei-mir zu-dir-eben]
 
Obwohl die Formen agam, agad usw. mit unserem "haben" (have, avoir) übersetzt werden, sind sie nicht unbedingt Ausdruck des "in Besitz sein von etwas" oder "Eigentümer sein". Wenn ich sage Tha taigh aige heißt es zwar "er hat ein Haus", aber nicht unbedingt, daß es "sein" Haus ist (wir haben gesehen, daß aig- auch für Gefühle (Affekte) wie lieben usw., die allerdings noch unter unserer Kontrolle liegen, verwendet werden kann).
Absoluter Besitz wird mit einem anderen Verhältnisfürwort (le- = mit, bei) ausgedrückt, und zwar mit der behauptenden Form des Verbums bi (Präsens is, Vergangenheit bu usw).

2) Präposition: le

Formen: leam leat leis leatha leinn leibh leotha *)
Betont: leamsa leatsa leisesan leathase leinne leibhse leothasan
*) Diese Formen werden meistens mit "mein", "dein" oder "gehört mir", gehört dir" übersetzt

MUSTER:
Bildung mit bi (behauptende Formen) + Objekt + le (mit, bei) + Substantiv [im Dativ]
Bildung mit bi (behauptende Formen) + Objekt + Verhältnisfürwort mit le = le-

Die Satzordnung ist hier etwas verändert:
Is le Phàidrig e Es gehört Patrick [STRUKTUR: Ist-doch mit Hans er]
Verneint: Cha le Phàidrig e Es gehört Patrick nicht
Als Frage: An le Phàidrig e? Gehört es Patrick?
Is le Màiri an leabhar seo Dieses Buch gehört Maria
Is leam an sgian sin Das Messer da gehört mir
An leibh a'chlach seo? Gehört dieser Stein euch?
Is leinn i Ja, uns doch
Am bu le Seamus an leabhar seo? Bu leis e Gehörte dieses Buch James? Ja, doch. [STRUKTUR: Daß war-doch mit James das Buch hier? War mit-ihm es]
Betont:
Is leamsa Es gehört mir
Is leinne Es gehört uns
Is leothasan am bàta seo Das Boot gehört doch ihnen
Der Unterschied zu Ausdrücken mit tha (usw.) + aig- wird zum Beispiel deutlich, wenn wir uns einen Kassierer mit Geld in den Händen vorstellen, der dann sagt: Tha airgiod agam ach cha leam fhèin e "Ich habe Geld, aber ich besitze es nicht" (wörtlich: Das Geld ist bei mir, aber nicht mit mir selbst). Oder es fragt einer: A bheil agad an airgiod bho'n Eaglais? "Hast du das Kirchengeld?" und sein Freund antwortet: Is airgiod leamsa ach cha bho'n Eaglais. Ich habe (doch) Geld, aber nicht von der Kirche.
Das fragende Besitzfürwort (interrogatives Possessivpronomen) wird mit cò? (wer?) und der Form leis (mit ihm, sein) gebildet. Der Antwortende verwendet oft die betonte Form.
Cò leis an ramh seo? Wem gehört dieser Ruder?
Leamsa. Mir doch.
Cò leis a bha a'chaisteil seo? Wem gehörte diese Burg?
Leinne. Uns doch.



II Bedeutungsgruppe "Mögen"

Ausdrücke mit toigh (Adj.) angenehm, freudig

MUSTER:
Bildung mit bi (behauptende Formen) + Objekt + le (mit, bei) + Substantiv [im Dativ]
Bildung mit bi (behauptende Formen) + Objekt + Verhältnisfürwort mit le = le-

Formen:
Is toigh leam Ich mag, es gefällt mir
Is toigh leat Du magst, es gefällt dir
Is toigh leis Er (es) mag, es gefällt ihm
Is toigh leatha Sie (es) mag, es gefällt ihr
Is toigh leinn Wir mögen, es gefällt uns
Is toigh leibh Ihr mögt, es gefällt euch
Is toigh leotha Sie mögen, es gefällt ihnen
Verneinung: Cha toigh leam (ich mag nicht)
Frageform: An toigh leat? (magst du?)
Is toigh leam thu Ich mag dich, du gefällst mir
Ma's toigh leat mise, is toigh leam thu, is mur toigh na taobh mi Wenn du mich magst, mag ich dich, wenn nicht, komm mir nicht nahe [wörtlich: Wenn ich dir angenehm bin, bist du mir angenehm, wenn nicht angenehm, nähere mich nicht. STRUKTUR: Wenn ist angenehm bei-dir ich-eben, ist angenehm bei-mir du, ist wenn-nicht angenehm nicht nähere mich]
Is toigh leam thusa, ach is annsa leam ise Du gefällst mir, aber sie ist mir lieber [STRUKTUR: Ist angenehm bei-mir du-eben, aber ist lieber bei-mir sie-eben]
An ní nach toigh leat obair ri fear eile Gib die Arbeit, die du nicht magst, einem anderen Mann
 
"Ich möchte gern" (Formen):
Bu toigh leam Ich möchte (gern), mir würde gefallen, bitte geben Sie mir usw.
Bu toigh leat Du möchtest usw.
Bu toigh leis Er möchte
Bu toigh leatha Sie möchte
Bu toigh leinn Wir möchten
Bu toigh leibh Ihr möchtet
Bu toigh leotha Sie möchten
Absolute Form: 'S toigh leam... Ich mag
Verneinung: Cha bu toigh leam Ich möchte nicht usw.
Frageform: Am bu toigh leat? Möchtest du? usw.
 
Andere idiomatische Wendungen mit le:
Beannachd leat! Auf Wiedersehen! [wörtl.: Segen mit-dir]
Beannachd leibh! Auf Wiedersehen! [Segen mit-euch]
Slàn leat./Slàn leibh. Auf Wiedersehen [Gesundheit mit-dir / mit-euch]
Mar sin leat/Mar sin leibh Auf Wiedersehen (als Antwort) [Das Gleiche dir/euch]
Tapadh leat! Tapadh leibh! Danke (dir, euch/Ihnen)
"Mögen"
Is ionmhuinn leam/leinn... Ich/wir mögen



III Bedeutungsgruppe "fehlen"

Nicht besitzen, Mangel haben an, "Es fehlt mir..." usw. = Ich will, ich brauche

Präposition: o, (von, weg von, von...hinweg, ab)
Formen: uam, uait, uat, uaithe, uaipe, uainn, uaibh, uapa, uatha
Betont: uamsa, uaitsa, uatsa, uaithese, uaipese, uainne, uaibhse, uapasan, uathasan

Präposition:bho (von, weg von, von...hinweg, ab)
Formen: bhuam, bhuait, bhuat, bhuaithe, bhuaipe, bhuainn, bhuaibh, bhuapa, bhuatha
Betont: bhuamsa, bhuaitsa, bhuatsa, bhuaithese, bhuaipese, bhuainne, bhuaibhse, bhuapasan, bhuathasan

In der heutigen Umgangssprache sind o und bho fast gleichbedeutend.

MUSTER:
Bildung mit bi [behauptende (z.B. tha) oder bestätigende (z.B. is) Formen) + Objekt + o/bho + Substantiv
Bildung mit bi (beide Formen) + Objekt + Verhältnisfürwort mit o-/bho-

Tha sgian mhòr uam Mir fehlt ein großes Messer (Ich brauche, Ich will ein großes Messer) [STRUKTUR: Ist Messer großes von-mir]
Tha bean uait Dir fehlt eine Frau
Tha mal an dà thaighe uaithe Er will die Miete für zwei Häuser
Tha dà ramh uaipe Sie will zwei Ruder
Tha iasgair math uainn Uns fehlt ein guter Fischer
Tha an t-airgiod sin uaibh a nis Ihr wollt/braucht das Geld jetzt
Tha mathair uapa Sie brauchen eine Mutter
Tha uisge uainn Wir wollen Wasser
Chan clachan uaibh Ihr wollt keine Steine
Tha leabhreachan uapa Sie wollen Bücher
Ciod tha uait? Was brauchst du?
Dé tha uaithe? Was fehlt ihm? Was will er?
Tha uam thu bhi sona Ich möchte, daß du glücklich seiest [STRUKTUR: Ist von mir dun seiest glücklich]
Uam no agam e Ob es mir gehört oder nicht (wörtlich: Von mir oder bei mir)
Tha uam a bhi ann
Tha thu ri bhi ann
Ich will, daß du da seiest (fast gleichbedeutend mit
Du hast dort zu sein)
 
Natürlich ist die schlichte Bedeutung auch in Gebrauch:
Tilg uait an sgian sin! Wirf das Messer weg von dir!
Cha chomasach do dhuine an ni nach eil aige a thoirt uaithe Es ist unmöglich für einen Mann, das wegzugeben, das ihm nicht gehört [STRUKTUR: Nicht möglich zum Mann das Ding (daß) nicht ist bei-ihm zu geben von-ihm]



IV Bedeutungsgruppe "wissen"

In vielen Sprachen ist dieser Begriff nicht so differenziert wie im Gälischen. Hier handelt es sich um mehrere Formen:
1) Man kann eine Sache wissen, weil man davon in Kenntnis gesetzt wurde,
2) Man kann eine Person, einen Ort oder eine Sache schon kennen, weil man damit vertraut ist,
oder 3) Man kann ein bestimmtes Fach beherrschen bzw. eine Sache können (z.B. ein Buch auswendig "kennen"). Entsprechend gibe es natürlich verschiedene Formen von "nicht wissen", "nicht vertraut sein", "nicht beherrschen" usw.


1) "Informiert sein"

Präposition: aig, ag-

Einfache Formen: agam, agad, aige, aice, againn, agaibh, aca *)
Betonte Formen: agamsa, agadsa, aigesan, aicese, againne, agaibhse, acasan
Für die Formen domh/dhomh usw., siehe weiter unten

MUSTER:
Tha + fios + aig (at) + Substantiv [im Dativ]/Präpositionalpronomen
Das Wort fios (Wissen, Information, Kunde) ist männlich und flektiert regelmäßig (wie loch, See):

Nur Singular
Nominativ fios
Genitiv fiosa
Dativ fios
Vokativ a fhios

Wir verwenden den Begriff fios (Substantiv nm., Gen. -a) [Lat. video, Sanskr. veda, Engl. wit, Dt. wissen] in den Fällen, wo es um direktes "Wissen" (Fr. savoir) geht. Das Wort kommt immer vor, wenn abhängige Nebensätze gebraucht werden (Ich weiß wer, wann, wohin, wie, daß usw).

Tha fios agam far an robh e Ich weiß wo er war [STRUKTUR: Ist Wissen bei-mir wo daß war er]
Tha fios agad na thubhairt e Du weißt was er sagte
Tha fios aige gu'm bi mi sona Er weiß ich werde glücklich sein
Tha fios aice cò a tha aig an dorus Sie weiß wer an der Tür ist
Tha fios againn c'uine a tha an céilidh Wir wissen wo das Fest ist
Tha fios agaibh gu math Du weißt wohl
Tha fios aca có dh'òl mo leann Sie wissen wer mein Bier getrunken hat
Nach eil fios agad c'aite an robh e? Weißt du nicht wo er war?
Am bheil fios agad cuin a tha e tighinn? Weißt du wann er kommt? [STRUKTUR: Ist Wissen bei-dir wann daß ist er kommend?]
Am bheil fios agad ma tha bàta aige? Weißt du ob er ein Boot hat? [STRUKTUR: Ist Wissen bei-dir ob ist Boot bei-ihm?]
Cha'n eil fios agam Ich weiß nicht
Mur an robh fios aige far an robh am bàta, ciamar a bha fios aige gu'n robh i agaibh? Wenn er nicht wußte wo das Boot war, wie wußte er, daß du es hattest?
Cha robh fios agam gu'n robh sibh an sin Ich wußte nicht, daß du dort warst
Mur eil fios aig an tuathanach gu'n robh an gille an sin bithidh fios aige a nis Wenn der Bauer nich wußte, daß der Junge da war, er wird es jetzt wissen [STRUKTUR: Wenn-nicht war Wissen bei dem Bauer daß-nicht war der Junge da wird-sein Wissen bei-ihm den Jetzt]
Am bheil fios agad ma tha each uaithe? Weißt du, ob er ein Pferd braucht? [STRUKTUR: Daß ist Wissen bei-dir daß ist Pferd von-ihm?]
Am bheil fios agad có aig an robh i (sgian)? Weißt du wer es (sie, das Messer) hatte?
 
Beispiele für verschiedene Wendungen mit fios:
Cuin' a fhuair thu fios? Wo hast du diese Information her?
Bheir mi fios Ich werde informieren (Bescheid sagen) [Wird-tragen ich Wissen]
Is beag fios dhomh-sa Das, was ich weiß, ist wenig [Ist klein Wissen zu-mir-eben]
Fhuair mi fios Es wurde mir zugetragen: es wurde mir bekanntgegeben
Thoir fios Informieren, Bescheid sagen
Fhuair sinn droch fios Wir bekamen traurige Nachricht
Am fios duit? Am bheil fios agad? Weißt du? [von den zwei Formen setzt die erstere voraus, daß der Gefragte es sicherlich weiß]
C'uin a fhuair thu fios? Wann hast du Bescheid bekommen?
A réir fios dhomh-sa Zum Besten meines Wissens
A's fhios do'n bheò Was die Lebenden wissen
'Ga fios Soweit sie weiß
'Ga fhios Soweit er weiß
Thàinig e staigh gun fhios da Er kam ohne sein Wissen nach Hause [STRUKTUR: Kam er zum-Haus daß-nicht Wissen zu-ihm]
Gun fhios nach tig e Nicht wissend, ob er kommen wird
Gun fhios dè a ní mi Nicht wissend, was ich tun soll
Gun fhios car son Nicht wissend, warum
Thàinig fios ort Es kam eine Botschaft für dich
Fios an torraidh Eine Einladung zum Begräbnis
Fios fuadain Ein fliegender Bericht
Am fios a bu lugha Das geringste Wissen
Fios air an fhios Wiederholte Information (Eine dringende Einladung, wörtlich: "Wissen auf das Wissen)
Chuir mi fios air a nios chugam Ich sandte ihm die Botschaft, er soll von unten zu mir kommen [STRUKTUR: Stellte/Schickte ich wissen zu-ihm daß von-untern zu-mir]"Unwissen"
Gegensatz von fios ist ainfhios m. -a, Unwissen, Unkenntnis
Air ainfhios dhuit Dir unbekannt
Tha ainfhios leotha có a bha am mathair aca Sie wissen nicht, wer ihre Mutter war [STRUKTUR: Ist Unwissen mit-ihnen wer das war die Mutter bei-ihnen]


2) "Kennen" (Person, Ort Gegenstand)

MUSTER:
Bestätigende (z.B. tha) oder behauptende (z.B. is) oder Form von bi (sein) + àithne + do (zu) + Substantiv [im Dativ]/Verhältnisfürwort
Einfache Formen: domh, duit, dut, da, di, duinn, duibh, daibh
Betonte Formen: dhomh, dhuit, dhut, dha, dhi, dhuinn,, dhuibh dhaibh

ODER (siehe auch oben unter "Haben" usw.):
Einfache Formen: agam, agad, aige, aice,, againn agaibh, aca *)
Betonte Formen: agamsa, agadsa, aigesan, aicese, againne, agaibhse, acasan

In einer gleichen Konstruktion verwenden wir das regelmäßige weibliche Substantiv àithne (Nominativ, Genitiv und Dativ gleich), mit der Bedeutung "Kenntnis, Bekanntschaft, (sichtliches) Erkennen". Dieses Idiom entspricht dem deutschen Begriff "kennen" (gegenüber "wissen") sowie dem Französischen "connaître" (gegenüber "savoir").

Tha àithne dhomh an gràmar Ich habe die Grammatik gelernt
An àithne dhuit an leabhar seo? Kennst du dieses Buch? (d.h. Hast du dieses Buch gelesen?)
Tha àithne agam air Ich kenne es [STRUKTUR: Ist Kenntnis bei-mir über-ihn]
Cha'n eil àithne agam air Ich kenne ihn (es) nicht
An àithne dhuit Domhnull? Kennst du Donald?
Is àithne dhomh Domhnull Ich kenne Donald (vom Sehen)
Andere idiomatische Verwendung für domh usw.:
Latha math! Latha math dhut fhèin! Guten Tag! Guten Tag dir selbst! (als Antwort)


3) "Gründlich kennen, können"

MUSTER:
Bestätigende (z.B. tha) oder behauptende (z.B. is) oder Form von bi (sein) + eòlach + air (auf, über) + Substantiv [im Dativ]/Verhältnisfürwort
Präposition: orm, ort, air, oirre, oirnn, oirbh, orra
Betonte Formen: ormsa, ortsa, airsan, oirrese,, oirnne oirbhse, orrasan

Wenn wir eine Sache sehr gut kennen oder eine Materie, ein Fach usw. beherrschen, etwas gelernt oder uns angeeignet haben, verwenden wir im Gälischen den Begriff eòlach (ein Adjektiv, Komparativ eòlaiche = wissender, geschickter, vom Substantiv eòlais Kenntnis) mit der Grundbedeutung "geschickt sein in (etwas)". [Das dazugehörige männliche Substantiv eòl mit der Bedeutung "Wissen, Können" wird heute selten gebraucht. Ein Beispiel ist Is eòl dhomh Ich weiß es = Ich kann es]. Mit Personen bedeutet dieses Idiom "befreundet sein mit, sehr gut kennen".

Beispiele:
Tha mi eòlach air/oirre Ich kenne ihn/sie
Frage: Am bheil thu eòlach air/oirre? Kennst du ihn/sie?
Verneinung: Chan eil thu eòlach air/oirre Du kennst ihn/sie nicht
Am bheil thu eòlach air an leabhar seo? Kennst du dieses Buch (in- und auswendig)?
Tha eòlach oirrese am facal-theasairg ann an compiùtair Sie weiß, wie man im Computer Wörter speichert
Am bheil thu fada eòlach air Màiri? Kennst du Maria seit langem? (= Bist du mit der Maria seit langem befreundet?)
Tha mi fada eòlach air Calum Ich kenne Malcolm lange [STRUKTUR: Bin ich lang kennend auf Calum]
An robh thu eòlach air an tìr bhur n-eòlais? Kanntest du ihn in eurem eigenen Land? [STRUKTUR: Daß warst du kennend auf-ihn das Land eures Kennens?]
Am bheil thu fada eòlach air a' chiobair seo? Kennst du diesen Hirten seit langem?
Tha e 'na dhuine eòlach Er ist ein fähiger/wissender/geschickter Mann [STRUKTUR: Er ist in seinem Mann geschicken]
 
"Bekannt machen, vorstellen"
Unregelmäßiges Verbum dèan (tun, machen) + Objekt (Person/Fürwort) + eòlach (Adj. bekannt) + air (auf, über) Objekt (Person/Fürwort)
Nì mi Ainndrea eòlach air Brigde Ich werde Andreas mit Brigitte bekannt machen.
Nì mi e eòlach oirre Ich werde ihn mit ihr bekannt machen.
An dèan thu Pàidrig eòlach air Seanaid? Wirst du Patrick mit Seanaid bekannt machen?
Cha dèan mi thu eòlach air Mhagnus Ich werde dich nicht mit Magnus bekannt machen
Rinn mi eòlach air a chèile iad Ich machte sie miteinander bekannt



V Bedeutungsgruppe "natürliches Geschehen von Außen"

Idiome mit allen Formen des Verbums bi (sein) mit der Präposition air

Verhältnisfürwörter: orm, ort, air, oirre, oirnn, oirbh, orra
Betonte Formen: ormsa, ortsa, airesan, oirrese, oirnne, oirbhse, orrasan

Vergleichen wir:
Ich habe Durst     J'ai soif     I am thirsty     Tha pathadh orm

Im Deutschen wie im Französischen haben wir die Reihenfolge Subjekt (Pronomen) - transitives Verb - Objekt (Substantiv), im Englischen finden wir Subjekt (Pronomen) - intransitives Verb - Attribut (Adjektiv) und im Gälischen intransitives Verb - Subjekt (Substantiv) - Präposition (auf, über) + Pronomen, d.h. wörtlich: Ist Durst über-mir. Wir kämen dem Gefühl des Gälischen näher, wenn wir es mit der altertümlichen deutschen Redewendung "Mich dürstet" übersetzen würden (vgl. Mich jammert er, mich hungert, mich dünkt, ihn schaudert's usw.).

Wie wir weiter oben gesehen haben, kann man sagen, daß das, was wir besitzen, gewöhnlich "bei" oder "mit" uns bleibt (Gälisch: aig, le). Es gibt aber auch Sachen, die einfach "auf" uns "zu"kommen, nicht durch eigenes Tun oder eigene Schuld, sondern meistens gegen unseren Willen, zumindest ohne unsere Einflußnahme. Es sind Geschehnisse, Vorkömmnisse, sich ereignende Schicksalsschläge, die als Gäste aus dem heiteren Himmel, aus dem Unsichtbaren, zu uns kommen. In diesem Bereich finden wir die Gefühle, Krankheiten, geistige Zustände, von denen man im Gälischen sagt, sie kommen "auf" uns oder "zu uns her". Hierzu gehört Hunger, Durst, Erkrankung, Leid und Tod (also physische Zustände), Trauer, Freude, Liebe, Haß, Zu- und Abneigung (Affekte) und sogar Angst, Mut, Glaube, Hoffnung, Erstaunen, Mißtrauen usw. (bestimmte, nicht unter eigenen Kontrolle stehende Eigenschaften). Es muß allerdings gesagt werden, daß einer der Gründe für dieses idiom ausn der Tatsache stammt, daß das Gälische (und keltische Sprachen allgemein) einen ausgesprochenen Armut an Adjektiven hat. Wenn ein Adjektiv mit solchen Qualitatäten vorkommt (wie z.B. bei den meisten Farben), wird es selbstverständlich auch benutzt:

Bha mi tinn
Bha tinne orm
ich war krank (neben War Krankheit bei-mir)
Is crubach a duine seo Dieser Mann ist lahm
Bithidh Pàidrig dall an deidh 'obairèisean Patrick wird nach seiner Operation blind sein
 
Sonst finden wir das reine Idiom, wir in den folgenden Beispielen.
Physische Zustände:
Tha an t-acras orm Ich habe Hunger
A bheil an t-acras ort? Hast du hunger?
Chan eil an t-acras ort Ich habe keinen Hunger
Tha an t-acras air er ist hungrig
Tha (am) pathadh orm Ich habe Durst
A bheil am pathadh ort? Hast du Durst
Ciod e a tha ort? Was hast du? Was fehlt dir? [STRUKTUR: Was ist-es das ist über-dir?]
Tha am fiabhras air Er hat Fieber
Affekte:
Tha gradh agam ortsa Ich liebe dich [Ist Liebe bei-mir über-dich]
Tha bron mòr oirnn Wir sind sehr traurig [Ist Trauer groß über-uns]
Tha an cnatan orm Ich bin erkältet [Ist Erkältung über-mich]
Eigenschaften:
Tha eagal oirre sie fürchtet sich (ist Furcht bei ihr)
Bha iongantas air an duine der Mann war erstaunt
Tha cabhag orm Ich habe es eilig [Ist Eile über-mir]
Tha an deoch orm (= Tha mi air mhisg) Ich bin betrunken
Greas ort! Greas oirbh! Beeil dich! Beeilt euch!


"Schulden"

Wenn von Geld (oder Besitz) die Rede ist, verwenden wir folgende Konstruktion:
Alle Formen des Verbums bi (sein) - Objekt [z.B. Geldsumme] - aig (= "zu, an") + Subjekt I - air ("auf") + Subjekt II
Wenn ich z.B. sagen will "Ich schulde (dem) Hans Geld", verwende ich im Gälischen di Konstruktion Tha an t-airgead aig Iain orm, oder wörtlich "Ist Geld zu Hans auf-mich".

Andere Beispiele:
Tha ceud punnd Sasunnach aig Ainndrea air Pàidrig Andreas schuldet Patrick ein hundert Pfund [STRUKTUR: Sind hundert Pfund englisch zu Andreas auf Patrick]
Tha dà not aig Calum oirre Sie schuldet Malcolm zwei Pfund [Sind zwei (Bank-)Noten zu Calum auf-sie]
Tha deich chaorach agam air an fhear sin Der Mann da schuldet mir zehn Schafe [Sind zehn Schafe zu-mir auf den Mann jenen]



VI Bedeutungsgruppe "es gibt"

Präposition: ann

Einfache Formen: annam, annad, ann, innte, annainn, annaibh, annta
Betonte Formen: annamsa, annadsa, annsan, inntese, annainne, annaibhse, anntasan

Die idiomatische Kombination mit dem Verbum bi (sein) und der Präposition ann (in) bezeichnet das Vorhandensein von etwas. Hier befindet sich ann meistens am Ende des Satzes und hat dann eine adverbielle Funktion. Das heißt, die Formen von bi beschreiben das Vorhandensein von etwas, das durch die adverbielle Präposition ann verstärkt wird. [Vgl. das Französische Il y a, das Deutsche "Es gibt"]

Diese Kombination wird immer verwendet, um ein natürliches Phänomen zu beschreiben. Es ist ein Unterschied zwischen Bha na frasan trom (Die Regenschauer waren heftig) und Bha frasan troma ann (Es gab heftige Regenschauer). Im ersteren Fall werden Regenschauer beschrieben, im letzteren aber lediglich gesagt, daß es schwere Regenschauer gab.

Beispiele:
Am bheil aran ann? Gibt es Brot?
Cha'n eil aran ann Es gibt kein Brot
Dagegen (einfache Aussage) Tha aran air a'bhord Es gibt ein Brot auf dem Tisch
Cha'n eil ìm ann Es gibt keine Butter
Tha fuachd ann an diugh Es ist kalt heute [Ist Kälte da den Tag]
im Vergleich: Tha e fuar an diugh Es ist kalt heute
Nach bithinn ann na's mo Wenn ich nicht mehr sein sollte [Nicht wird-sein da daß ist mehr]
Ciod a tha ann? Was gibt's? [Was das ist da?]
An robh piobaire ann? War ein Sackpfeifer dabei?
Tha abhainn ann Es gibt einen Fluß (dort)
Am bheil thu ann, Iain? Bist du da, Jan?
Is e duine math a tha ann Er ist ein guter Mann [Ist es Mann guter der ist da]
Tha latha math ann Es ist ein schöner Tag
Tha an t-uisge ann Es regnet [Ist das Wasser da]
Is mise a tha ann Ich bin es, Ich bin da
Nach tu a bha ann? Warst du nicht da?
Is ise a bhitheas ann Sie wird doch da sein





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