VERBEN (ZEITWÖRTER)


ALLGEMEINES

Alle Zeitformen des gälischen Verbums werden von der sog. Wurzel gebildet, d.h. die 2. Person Singular Imperativ Präsens, z.B.: tog (heb auf!), buail (schlag!), faic (schau!) usw.

In der Grammatik teilt man die Verben in folgende Klassen:
1) Das Verbum bi "sein" (eine Klasse für sich, weil es das einzige Verbum mit einer echten Präsensform ist)
2) Die regelmäßigen Verben
- mit vokalischem Anlaut
- mit Anlaut f-
- mit konsonantischem Anfang (jedoch ohne f-)
3) Die 10 unregelmäßigen Verben
4) Die 6 unvollständigen Verben (Defektiva) (davon die assertive Form is von "sein")
5) Die 2 Hilfszeitwörter
6) Die Präpositionalverben (Komposita)

Für praktische Zwecke jedoch lernt man die Verben nach ihrem Anlaut (nach dem gälischen Alphabet: a b c d e f g i l m n o p r s t u, kein Verb fängt mit h an).

Im Imperativ (Befehlsform) ist jedes Verbum regelmäßig.

Mit Ausnahme des Verbums "sein" (Grundform bi), das auch als Hilfszeitwort gebraucht wird, hat das Gälische nur 10 unregelmäßige Verben (von denen die meisten auch regelmäßig flektieren).

Das Verbum hat zwei Genera, Aktiv und Passiv, z.B. bhuail mi (ich schlug), bha mi buailte (ich wurde geschlagen). Das Passiv wird teils mit dem Hilfsverbum bi, teils mit eigenständigen Wurzelformen gebildet (bithidh mi fagte bzw. fagar mi ich werde verlassen sein, man wird mich verlassen). Je nach Bedeutung, und ob ein Verbum transitiv oder intransitiv ist, wird die jeweils mögliche oder praktische Passivform gebildet.

Das Verbum bildet drei Modi: Indikativ (tha thu ag òl du trinkst), Konjunktiv (bhitheadh thu ag òl, du würdest trinken) und Imperativ (òl trink!).

Was seine Formbildung angeht, bildet das gälische Verbum (wie in allen anderen keltischen Sprachen) tatsächlich nur z wei     echte Zeitformen, d.h. Zukunft und Vergangenheit [chunnaic mi ich sah, chì mi ich werde sehen], sowie eine andere Form, die wir mangels eines besseren Ausdrucks Konjunktiv nennen können. Ins Deutsche übersetzt man diese Form gewöhnlicherweise mit "würde" usw. oder dem eigenen Konjunktiv.

In der regelmäßigen Vergangenheitsform wird das Stammwort (fast immer die zweite Person Singular Imperativ) einfach im Anlaut, wo dies möglich ist (nach den bestehenden Lautgesetzen), aspiriert.



DIE BILDUNG DER ZEITEN

Die Bildung der Zeiten im regelmäßgen gälischen Verbum

Voraussetzung ist, daß man die Stammform (Wurzel) kennt. Von der Stammform bildet man wie folgt:

Zukunft: durch Hinzufügung von -idh zu einem "engen" Stammvokal (mit e, i) oder -aidh zu einem "breiten" Stammvokal (a, o, u)
Vergangenheit: aspirierbare Anfangskonsonanten werden aspiriert, nicht aspirierbare Anfangskonsonanten bleiben so wie sie sind, Vokale werden mit dh'- aspiriert, f- wird zu stummem fh und ebenfalls mit dh'- aspiriert
Präsens: das Verbalsubstantiv wird anhand von verschiedenen Änderungen (oder nicht) gebildet, und zusammen mit der Präsensform des Verbums bi (sein) und der Vorsilbe a' (vor Konsonanten) oder ag (vor Vokalen und r) geformt.

Man lernt meistens an 5 Beispielen: Konsonant (aspirierbar), Konsonant (nicht aspirierbar), Vokal, Verben mit f- am Anfang, und mit unregelmäßgen Verben.

Beispiele (mit Ausnahme von faic haben alle diese Verben Verbalsubstantiva, die mit der Stammform identisch sind):

weinen halten trinken weggehen sehen
WURZEL caoidh stad òl falbh faic
ZUKUNFT caoidhidh mi stadaidh mi òlaidh mi falbhaidh mi chì mi
VERGANGENHEIT chaoidh mi stad mi dh'òl mi dh'fhalbh mi chunnaic mi
PRÄSENS a' caoidh a' stad ag òl a' falbh a' faicinn



REGELMÄSSIGE VERBEN

Im Gälischen lernen wir immer drei Formen der Veränderung, hier zusätzlich mit f als besonderem Konsonanten
A) Verben mit   n i c h t   aspirierbarem Konsonant (l, n, r) und sl, sm, sn, sp, st
B) Verben mit aspirierbarem Konsonant außer f (b, c, d, g, m, p, s, t)
D) Verben mit f


Wichtige Beispiele sind:
IMPERATIV PRÄSENS ZUKUNFT VERGANGENHEIT
A) Stad! tha mi a stad stadaidh mi stad mi*
Steh! ich stehe ich werde stehen ich stand
B) Can! tha mi a canntain canaidh mi chan mi ASPIRIERT!
Sprich! ich spreche ich werde sprechen ich sprach
C) Ìth! tha mi ag ìth ìthidh mi dh'ìth mi**
Iß! ich esse ich werde essen ich aß
Òl! tha mi ag òl òlaidh mi dh'òl mi
Trink! ich trinke ich werde trinken ich trank
D) Fàs! tha mi a fàs fàsaidh mi dh'fàs mi***
Wachse! ich wachse ich werde wachsen ich wuchs

Bemerkungen: Fàs heißt auch "werden"!
* Immer gleich für alle Personen! Stad mi, stad thu, stad e, stad i, stad sinn, stad sibh, stad iad (ich stand, du standest, er stand, sie stand, wir standen, ihr standet, sie standen)
** Ursprünglich aus do + hìth > dho + ìth > dh'ìth, also durch Rückaspiration des Zeitpartikels "do"
*** Da das ursprüngliche f- nicht mehr ausgesprochen wird, verschiebt sich die Aspiration zuerst rückwärts auf das do > dho > dh', dann auf das folgende à.


Jetzt brauchen wir die VERNEINUNG:
IMPERATIV PRÄSENS ZUKUNFT VERGANGENHEIT
A) Na stad! Chan eil mi a stad cha stadaidh mi cha do stad mi
Steh nicht! ich stehe nicht ich werde nicht stehen ich stand nicht
B) Na can! Chan eil mi a canntain cha canaidh mi cha do chan mi
Sprich nicht! ich spreche nicht ich werde nicht sprechen ich sprach nicht
C) Nach ìth! Chan eil mi ag ìth cha ìthidh mi cha dh'ìth mi**
Iß nicht! ich esse nicht ich werde nicht essen ich aß nicht
Nach òl! Chan eil mi ag òl cha òlaidh mi cha dh'òl mi
Trink nicht! ich trinke nicht ich werde nicht trinken ich trank nicht
D) na fàs! Chan eil mi a fàs cha fàsaidh mi cha dh'fhàs mi***
Wachse nicht! Werde nicht! ich wachse nicht ich werde nicht wachsen ich wuchs nicht


Und dann nur noch die FRAGE:
PRÄSENS ZUKUNFT VERGANGENHEIT
A) A bheil mi a stad? An stadaidh thu? An do stad thu?
Stehe ich? Wirst du stehen? Standst du?
B) A bheil mi a canntain? An canaidh thu? An do chan thu?
Spreche ich? Wirst du sprechen? Sprachst du?
C) A bheil mi ag ìth? An ìthidh thu? An dh'ìth thu?
Esse ich? Wirst du essen? Aßest du?
A bheil mi ag òl? An òlaidh thu? An dh'òl thu?
Trinke ich? Wirst du trinken? Trankst du?
D) A bheil mi a fàs? An fàsaidh thu? An dh'fhàs thu?
Wachse ich? Werde ich? Wirst du wachsen? Wirst du? Wuchsest du? Wurdest du?


Mit der Kenntnis dieser Prinzipien kann man mit jedem gälischen Verbum arbeiten (denn man weiß, daß es regelmäßig ist).
Der einzige Haken ist die GEGENWART.
Genauer - die Bildung des Verbalsubstantivs, damit man "ich bin am XXX" sagen kann.
Im Deutschen bilden wir Substantive z.B. so:
groß > die Größte essen > das Essen
wachen > die Wacht fein > die Feinheit
klein > die Kleinheit, die Kleinigkeit finster > die Finsternis
verstehen > der Verstand reich > Reichtum usw.

Im Gälischen ist es ebenso. Wir müssen uns am Anfang einfach die jeweilige Form merken.

Beispiel:
Can (sprechen) - tha mi a cainntain (ich spreche) also die Engung -tainn
Mòl (loben) - tha mi a mòladh (ich lobe) also die Engung -adh
Buail (schlagen) - tha mi a bualadh (ich schlage) also buail > bual + adh
und so weiter.

Manche Verben ändern ihre Wurzelform nicht!
z.B.
òl (trinken) - tha mi ag òl (ich trinke)
ìth (essen) - tha mi ag ìth (ich esse)
stad (stehen) - tha mi a stad (ich stehe)



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