DIE ALTEN BUCHSTABEN


Ursprünglich kannten die Kelten keine Buchstaben, obwohl ihre Kultur nachweislich hochentwickelt war. Jedoch vom 2. Jahrhundert nach Christi an verwendeten sie das sogenannte OGHAM-Alphabet, das Craobh "Baum" genannt wurde. Die Striche für die Buchstaben sahen wie Zweige aus. Da die Überlieferung der Stammesgeschichte, der Gesetze, der Literatur und der religiösen Tradition nur mündlich war, bedeutete die Schrift für solche "Reimkundigen" eine Gefahr. Daher - laut Sage - verriet der Sohn des großen Gottes Lùg, Òg Gùmas (der Junge Gùm) das Geheimnis der Schrift zuerst nur den Frauen (vergleichbar mit den runenkundigen und daher magisch befähigten Frauen der Germanen).

Allerdings sind die uns überlieferten Ogham-Schriften nur auf Steinen und markieren meistens Stammesgrenzen (z.B. aus dem 5. Jahrhundert: ...TOVISIACI, [Sohn des] Häuptlings = Mac an Tòisich = MacIntosh). Das ABC war: beith, luis, nuin = [Birke, Lebensbaum, Esche]. Außer Grenzsteinen findet man noch Bestätigungen von Erbschaften, Orakeln und Widmungen. Im Laufe der Christianisierung übernahmen die keltischen Völker das lateinische Alphabet, allerdings in der sogenannten "insularen" oder gerundeten Form. Dies war ihr Verhängnis, denn wir wissen so gut wie gar nichts über die Entwicklung des Keltischen bis teilweise ins 15. Jahrhundert: die Gelehrten schrieben Latein. So wie die Germanen ihren Buch-Staben, d.h. entweder ins Buchenholz geritzte [Angesächs. wr_tan = "ritzen" > write] oder aus Buchenzweigen geformte Zeichen Namen gaben (FUTHARK), so hatten auch die Kelten ihre Buchstaben-Namen, und zwar anach verschiedenen Baumarten genannte.

Name Lautwert Übersetzung

1. Ailm f. -e, -ean A Ulme (Ulmus campestris)
2. Beith f. -e B Birke (Betula alba)
3. Coll m. C Hasel (Corylus cornuta)
4. Dair f. -e, -ean (darach) D Eiche (Quercus robur)
5. Eadha f. E Zitterpappel (Populus tremula)
6. Fèarn, Fèarna f. F Erle (Alnus glutinosa)
7. Gort, -oirt f. G Efeu (Hedera helix)
8. Uath f.* H Weißdorn (Crataegus oxyacantha)
9. Iogh f. -a** I Eibe (Taxus baccata)
10. Luis f. L Lebensbaum
11. Muin f. M wilder Wein
12. Nuin f. N Esche (Fraxinus excelsior)
13. Onn m. -a, -an O Ginster (Genista tinctoria)
14. Beith bhog "soft B" P = B
15. Ruis f. -e, -ean R schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
16. Suil m. S Weide (Salix alba)
17. Teine m. T Stechginster (Ulex europaeus)
18. Ur m. U Zwergeibe (Taxus montana)
* wird nur als Aspirationszeichen benutzt
** nom. plur. ioghanna(n)


BEMERKUNGEN:

zu 1. heute heißt die Ulme leamhan gen. leamhain & leamhna (m.): die kleine Ulme ist ailmeag, -eig, -an f.
zu 2. die Birke ist Wahrzeichen des Clans Buchanan, andere sagen des Clans MacBeth
zu 8. die Weißdorn nennt man heute auch sgitheach, -eich (m.) (Whitethorn, crataegus oxyacantha) - die weiße Blüte ist Wahrzeichen des Clans MacPherson
zu 10. steht heute für die Eberesche (Pyrus aucuparia), ein in Schottland sehr beliebter Baum, and ist Wahrzeichen des Clans MacLachlan
zu 11. wird heute crann-fìona ["Baum-Wein"] genannt: Gen. croinn-fhìona (f.)
zu 13. im Genitiv heute auch oinn
zu 14. oder Silberbirke: das Wort bog (weich) haben die Engländer in der Bedeutung "Sumpf, Moor" übernommen
zu 16. die Weide wird heute auch seileach genannt
zu 17. Stechginster nennt man heute conasg, gen. conaisg (m.); das Wort teine bedeutet auch "Brand, Feuer" - tatsächlich leuchten die rötlich-gelben Blüten im Frühjahr wie ein Feuer wenn man sie von weitem betrachtet. Im Winter werden die trockenen Stechginsterzweige zum Feueranmachen gerne benutzt.
zu 18. neben ur oder ùr existiert auch die Form uir





Startseite || Alphabet, Schrift und Aussprache || Aussprache: Die Aspiration || Die alten Buchstaben || Schwierigkeiten || Ein schrittweises Vorgehen || Einige Sätze || Zeit, Wochentage, Monate ... || Zahlen || Wortlehre || Präpositionalpronomina || Substantive || Grammatikalisches Geschlecht || Verbalsubstantive || Adjektive || Verben, regelm. Verben || Wichtigste Verben || Verb "Sein" || Unregelmäßige Verben || Idiome || Revision || Sprüche


Copyright © A. Lee, K. Dauth 1998