Cornwall, im äußersten Südwesten Großbritanniens gelegen,
ist stolz, ungezähmt und voller Gegensätze. Der Norden ist rauh und archaisch, der
süden hingegen lieblich und mediterran.
Es ist ein Land der Legenden und Mythen, der heiligen Quellen, keltischen Kreuze und alten
Burgen. An Sagen und Romanfiguren ist es ebenso reich wie an landschaftlicher Vielfalt. Zahlreiche
Geschichten erzählen von Riesen, tanzenden Feen und von Excalibur, dem Schwert
König Artus'.
Oft wird der Süden als Wiege der englischen Geschichte bezeichnet. Hier landeten Siedler und Händler und häufig kamen Eroberer übers Meer. Im letzten Jahrtausend waren es die Kelten, die an der Küste anlegten, später dann die Normannen. Sie benötigten zwei ganze Jahre, um Cornwall zu erobern. Das eigensinnige kleine Volk wurde schließlich unterworfen und hat sich bis heute mehr oder weniger damit arrangiert. Immerhin erhielt Cornwall 1201 sein eigenes Parlament (Stannay, abgeleitet vom lateinischen stannum für Zinn), ein Hinweis auf den hier seit dem Altertum verbreiteten Zinnabbau, der erst in der zweiten Häfte des vorigen Jahrhunderts mit der Stillegung der Bergwerke endete.
Neben Bergbau, Fischfang und Landwirtschaft war die Riffpiraterie ein berüchtigter
Erwerbszweig der Küstenbewohner. Schiffe wurden durch Lichter irregefürt,
strandeten an der rauhen Küste und wurden restlos geplündert. Das reichte vom
Auflesen von Strandgut bis hin zu unterlassener Hilfeleistung in Seenot.
Um das geringe Einkommen aufzubessern, war auch das Schmuggeln von Branntwein,
Tabak und Tee weit verbreitet. Die heiße Ware versteckte man in den zahlreichen
Höhlen entlang der Küste und brachte sie von dort weiter nach London oder
in andere Städte. Der Schmuggel war so fest im Alltag verankert, daß man
sich in seinen besten Zeiten eher auf die heimlichen Transporte als auf die Postkutsche
verlassen mochte.
Jenseits des Flusses Tamar hat sich die keltische Kultur in den fremdartig klingenden
Ortsnamen wie Polperro, Porthleven und Penzance verewigt.
Die eigene Sprache, das Kernewek, ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben.
Kaum jemand kann diese urtümliche Sprache sprechen, die dem Bretonischen
näher verwandt ist als dem Walisischen oder Gälischen. Heute wird intensiv
versucht, sie wiederzubeleben, unter anderem durch Sprachkurse beim Cornish Language
Board in Saltash oder durch das Verlegen von Büchern in cornischer Sprache.
Zahlreiche Überreste aus der Steinzeit zeugen noch heute von der alten und geheimnisvollen Geschichte dieses Teils der britischen Inseln. Überall in der Landschaft findet man unzählige Menhire, Steinkreise und Quoits, Gräber aus der Steinzeit.
Cornwall bietet mit seinen Klippenpfaden, den goldenen Sandstränden, den versteckten Buchten und üppigen Gärten, der dramatischen Küstenlinie und den melancholischen Moorgebieten landschaftliche Kontraste, die die Seele berühren. All das wird von einem in England einzigartigen Klima begünstigt, das durch seine milden Temperaturen Palmen, Feigen und Pinien gedeihen läßt. Dieses milde Klima lockte schon im 19. Jahrhundert Künstler an, die sich vor allem in der Umgebung von St. Ives und Newlyn niederließen. Hier fanden sie eine grandiose Natur, pittoreske Malmotive und wunderbares Licht. Einer der bekanntesten ist William Turner, der zusammen mit James Whistler den St. Ives Art Club gründete. Überall gibt es Galerien und auch heute noch kommen viele Maler hierher.
St Ives gehört mit Penzance zu den bekanntesten Ferienorten an der Küste Aber auch Land's End mit seinen bizarren vorgelagerten Granitfelsen und das terrassenförmige Freilichttheater bei Porthcurno, das Minack Theatre, sind bekannte touristische Anziehungspunkte.
Von den vielen kleinen Orten im rauheren und urwüchsigeren Norden Cornwalls an der Atlantikküste, ist Boscastle einen Besuch wert. Im 12. Jahrhundert gegründet, zählt es nach einer Blütezeit als Hafenstadt heute nur noch wenige Einwohner und von den vielen Pubs sind gerade mal noch drei übriggeblieben. Sehenswert neben dem kleinen 1584 erbauten Hafen sind die romantischen alten Steinhäuser und eine faszinierende Landschaft, die schon Thomas Hardy, einer der großen Erzähler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, so liebte und die in vielen seiner Gedichte einen breiten Raum einnimmt. Auch heute noch findet man den Reiz dieser grandiosen Landschaft wieder, sei es entlang der Küste oder im Hinterland von Boscastle.